Hallo ihr lieben,
zunächst kann ich jetzt natürlich endlich verraten, was mir der verfrühte Nikolaus so gebracht hat: gaaaaaaaaaaanz ganz weiche Kuschelsocken! Jetzt bekomme ich hier ganz bestimmt keine kalten Füße mehr. Wurden direkt eingeweiht. Vielen Dank lieber Nikolaus!
In der Woche vom ersten zum zweiten Advent war dann erst mal wenig los, das ich mit unterhaltsamen Bildern ausschmücken kann. Ich beginne also erst mal weniger anschaulich:
Da hier die Berge (also die großen und die im Norden, nicht die Hügelchen die ich so laufe) im Winter wohl immer so richtig zuschneien und überall Warnhinweise stehen, dass man unbedingt eine Eisaxt und Steigeisen dabei haben (und damit umzugehen wissen) sollte, habe ich gedacht eine Wandergruppe wäre doch vielleicht besser als alleine da rumzustolpern. Tatsächlich gibt es in Glasgow selbst relativ viele Gruppen, und auch an der Uni gibt es eine, über die ich mich mal informiert habe. Wegen des Beitrags wurde mir geraten, mich erst im Januar anzumelden, da im Dezember ohnehin keine Wanderungen mehr anstehen. Klar, hier ist gerade Prüfungsphase und da haben eigentlich alle wichtigeres im Kopf als zu wandern. Trotzdem findet jede Woche ein "Social" im Pub statt, bei dem ich die Mitglieder schonmal treffen könnte - dummerweise halt Dienstags um halb 10 abends! Diesen Dienstag lag ich nach dem Abendessen aber so gemütlich eingekuschelt auf dem Bett, dass ich mich da nicht mehr aufraffen konnte. Wir werden sehen ob ich dieses (sehr späte!!!) Treffen jemals wahrnehmen werde. Mehr davon nächste Woche.
Außerdem bin ich jetzt so im "ich muss hier mehr unternehmen und unter Leute"-Fieber, dass ich mich noch bei verschiedensten anderen Clubs und Gruppen umgehört habe, beispielsweise Wasserball, Rugby, Squash, Laufen usw. natürlich überschneidet sich das meiste zeitlich, ich habe ja aber auch noch bis Januar Zeit mir das zu überlegen, haha.
Am Mittwoch habe ich dann einen Termin in der School of Piping gehabt, weil ich mit mal ansehen wollte, wie man so Dudelsack spielt und wie das so abläuft. Die haben alle einen Ziemlichen Sockenschuss glaube ich, denn als erstes wurde ich in ein seeehr muffiges Zimmerchen geführt, das das Dudelsackmuseum darstellt und uralte Dudelsäcke enthält. Außerdem habe ich 6 verschiedene Ausgaben der "Piping Times" mitgegeben bekommen, einer Zeitschrift in der es NUR um Dudelsäcke geht... Ergebnis des Besuchs:
Ja, ich habe jetzt ein Dudelsack-Starterset, haha! Freut euch auf Weihnachten! Der Überraschung halber habe ich hier mal keine Sound-Datei eingefügt.
Habe jetzt schon an zwei Tagen daheim geübt, es ist erstaunlich schwer überhaupt erstmal den richtigen Ton rauszubekommen, aber wir werden sehen. Natürlich muss ich mit dem Üben immer warten, bis niemand daheim ist, sonst fliege ich vermutlich ganz schnell raus, haha.
So, was sonst...
Eigentlich war sonst nur im Büro sitzen angesagt. Am Samstag habe ich daher mal wieder eine kleine Wanderung geplant. Mit Zug und Bus nur 45 min von Glasgow entfernt liegen die Campsies, eine der ersten Bergketten vor den Highlands. Samstag morgen bin ich also mit der ersten Verbindung (die erst um 9.11 Uhr ging) in Richtung Norden aufgebrochen. Mein Ziel war der Earl's Seat, der höchste Punkt der Campsies mit 578m ein bisschen höher als der Conic Hill vor zwei Wochen (361m). Ich steigere mich also langsam. Zwar war kein Schnee gemeldet, aber auch auf dem viel niedrigeren Conic Hill wurde ich ja überrascht, habe ich alternativ die Möglichkeit gehabt, entlang des West Highland Ways im Tal nach Norden oder entland des Kelvin River Walkways curück nach Glasgow zu wandern. Ich war also auf alles vorbereitet.
Samstag:
Mit dem Zug ging es also nach Milgavie (das total anders ausgesprochen wird und mich sehr verwirrt) und dann mit dem Bus zur Glengoyne Distillery, von wo der Aufstieg zum Earls Seat beginnt.
Über eine gefrorene Weide geht es los, und man schaut zuerst auf den Dumgoyne (427m), zu dem es unglaublich steil bergauf geht. Erst dahinter kommt der Earl's Seat. Das Wetter war wieder wunderbar. Ich habe entweder unglaubliches Glück, oder im Winter ist Schottland einfach viel weniger regnerisch als im Sommer.
Bis zur Flanke des Dumgoyne war ich bereits fix und fertig, hatte einen knallroten Kopf und neben den Schafen auch einen Fasan aus dem Gestrüpp aufgescheucht. Von so nahe hatte ich die noch nie gesehen. Außerdem war ich bereits von 2 jungen Mädels und einer Gruppe von 7 Personen überholt worden. Ich habe also beschlossen an der Weggabelung direkt zum Earl's Seat weiterzugehen statt mich die steilen Stufen zum Gipfel des Dumgoyne hochzuquälen. Auf dem Rückweg ist das ja auch noch eine Möglichkeit.
Es ging also weniger steil aber doch stetig bergauf um den Dumgoyne herum auf eine Art Hochebene.
Das ist der Blick auf den Dumgoyne, den ich umgangen habe. Die kleinen Punkte auf der Spitze sind die Gruppe, die mich zuvor überholt hatte. Scheint unglaublich anstrengend gewesen zu sein.
Und immer weiter bergauf, mit rotem Kopf und wunderbarem Wetter. Meine 3 zusätzlichen Fleecejacken und Funktionsshirts brauchte ich beim Weg hier hoch definitif nicht!
Und wieder überalle Schafe. Auch das Eis nahm langsam zu, und oben auf der Hochebene war dann auch wieder ein bisschen Schnee zu finden.
Der Kopf wurde nicht weniger rot, aber das gute Wetter und die tolle Aussicht haben mich sehr motiviert. Auch war es nicht mehr so steil sondern ging ganz gemütlich bergauf, mal eitwas mehr, dann wieder geradeaus, dann wieder leicht bergauf. Ich war so motiviert und begeistert dass (obwohl die jungen Mädels mich schonwieder überholt hatten) ich auch ein Paar überholen konnte. Juhu, Motivation!
Im Bild oben seht iht im Hintergrund wieder Loch Lomond und den Conic Hill. Außerdem habe ich aus dieser Perspektive festgestellt, dass der Ben Lomond doch noch ein ganzes Stück höher ist und ich das vielleicht mal mit meiner Wandergruppe und Steigeisen oder eben im März/April in Anlauf nehmen sollte, auf keinen Fall aber jetzt, ganz alleine und ohne Ausrüstung.
Immer entlang dieser Kante ging es hier oben auf der Ebene also bergauf und bergab. Im Sommer scheint die Ebene ein einziger Sumpf zu sein, teilweise war der Weg von einer 5cm dicken Eisschickt bedeckt, bei der man die Wasserbewegungen in der Wiese noch nachvollziehen konnte. Also gut, dass es so kalt war, sonst hätte ich doch irgendwann nasse Füße bekommen.
Endlich oben. Der Gipfel ist ehrlich gesagt dann doch weniger ein Gipfel als der höchste Punkt der Hochebene gewesen. Trotzdem schön. Der Rückweg führte jetzt nicht mehr entland der Klippe sondern durch die Ebene in Richtung Drumgoyne. ein kleiner Pfad mitten durch gefrorenes Sumpfland.
Gar nicht so ohne: man sieht fast nicht, dass es hier ne ganzschüne Spalte gibt, durch die ein Bach läuft.
Nur das hohe Schilfartige Gras gibt einen einen Hinweis darauf, wo es ziemlich nass sein könnte.
Unten seht ihr einen riesigen Torf-Klumpen, also handelt es sich tatsächlich um ein Hochmoor hier. Nur wenige dieser Klumpen sind übrig, ich nehme an, dass hier früher mal Torf abgebaut wurde.
Obwohl es aussieht wie Abendsonne ist es erst 13 Uhr! Ich beschließe also, doch nochmal auf den Dumgoyne zu klettern. Mein lieber Scholli, da ging es ganzschönsteil hoch. Habe mehrfach überlegt wieder umzudrehen.
Man sieht es auf dem Bild unten kaum, aber es gibt tatsächlich fast senkrecht hoch...
Oben wurde ich dann aber nochmal mit einer super Aussicht belohnt! Ich bin immernoch sprachlos was das Wetter angeht.
Hier sieht man sogar Glasgow in der Ferne. Ist ja eigentlich auch nur 20 km weit weg, aber das Licht ist schon zu schlecht.
So schön die Aussicht, so furchtbar der Abstieg: Super steile Stufen nach unten zu gehen an einem der Sonne zugewandten Hand, der deshalb natürlich anfängt zu tauen und meeeega glitschig wird. Tatsächlich bin ich mehr als einmal weggerutscht und habe weiter unten dann auch einmal richtig auf dem Hintern gesessen. Wohlgemerkt: während ich auf den Glengoyne und wieder runter gekraxelt und geschlittert bin ist ein Typ den Berg hoch gejoggt!!!, dann auf der anderen Seite runter, auf die Ebene hoch, einmal entlang der Kante die ihr im oberen Bild hinter meinem Kopf seht, wieder zurück und dann auch wieder ganz runter, bevor ich überhaupt unten ankam... Unglaublich. Gejoggt! Ich konnte nichtmal ohne auf dem Hosenboden zu landen runterGEHEN. Mannomann, diese Schotten. Muss vermutlich mal die Wanderschuhe neu besohlen lassen.
Endlich wieder unten angekommen gibg es dan zurück zur Distillery, von wo der Bus mich dann wieder heim gebracht hat.
Sonntag:
Am Sonntag war der Muskelkater wider Erwarten gar kein Problem. Trotzdem habe ich mich mal ein bisschen ausgeruht. Nach einem ausgiebigen Schläfchen war ich mittags im Pub, bei meiner "Aktivitäten-Suche" im Verlauf der Woche habe ich nämlich auch eine Brettspiele-Gruppe aufgetrieben. Von 1 bis 5 habe ich also mit 25 weiteren im Curlers Rest gesessen, bewaffnet mit 15 verschiedenen Brettspielen, und gespielt. Klingt sehr freaky, hat aber echt Spaß gemacht. Leider das letzte Mal in diesem Jahr, aber wenn ich Zeit habe bin ich in jedem Fall beim nächsten Mal wieder dabei.
Zu Hause war eigentlich nicht mehr viel geplant, aber plötzlich -ZACK- war das Licht aus. Stromausfall am Zweiten Advent. Hat wohl einer mit der Weihnachtsbeleuchtung übertrieben. Alle fünf von uns kamen verwirrt mit ihren Handys leuchtend aus irgendwelchen Ecken geschlichen, und gemeinsam haben wir alle verfügbaren Kerzen im Haus ausgegraben und alles mit Kerzenschein beleuchtet.
Nachdem ich das erst für leicht übertrieben gehalten habe hat der Stromausfall dann aber tatsächlich realtiv lange gedauert, ich schätze mindestend 30 bis 45 Minuten, wenn nicht sogar eine Stunde. Nachdem alles mit Kerzen versehen war haben wir also auf dem Gasherd Teewasser gekocht, einen Putzplan geschrieben und geschwätzt, war sogar ganz gemütlich. Ein kerzenreicher zweiter Advent also, der mich für demn fehlenden Adventskranz mehr als entschädigt hat =)
Das war alles, was es in dieser Woche so zu erleben und berichten gab. Viele Grüße euch allen und bis zur nächsten Woche!