So, nachdem das Chaos im öffentlichen Bereich nun so langsam wieder abnimmt und das Leben beginnt, wieder seine gewohnten Bahnen einzuschlagen finde ich nun auch endlich die Zeit, euch von meiner letzten Woche zu berichten. Aber eins nach dem Anderen:
Wie ich beim letzten Eintrag ja geschrieben hatte war ich nicht ganz so fit nach meinem Ausflugswochenende nach Stirling, St. Andrews und Dundee. Da kam es mir quasi ziemlich gelegen, dass der leichte Schnee von Dienstag sich über Nacht in Schneemassen sondergleichen verwandeln sollte. Als ich Dienstag morgens aus dem Fenster schaute, waren unsere Blumenkübel eingeschneit und der Nachbar versuchte vergeblich, mit seinem Renault Twingo aus der Garage zu fahren: er stieß gegen eine Wand aus Schnee, und auch aussteigen und Schaufeln brachte da nichts, denn sonst hätte er die gesamte Seitenstraße bis zur Hauptstraße freischaufeln müssen um zu hoffen, dass da irgendwann ein Räumdienst kommt.
Etwas unsicher, was diese Schneemassen jetzt für mich bedeuten (ich möchte daran erinnern, dass schon 2cm im Januar totales Verkehrschaos nach sich zogen) bin ich also erst mal mit meinem Tee wieder ins Bett und habe den Laptop angeschmissen um mehr Infos zu bekommen. Dabei bin ich dann auch sogleich auf die Mitteilung des Wetterdienstes gestoßen: "Warnstufe rot. Gefahr für Leib und Leben. Bleiben Sie zu Hause und verlassen Sie nach Möglichkeit das Haus nicht!". Gleiches auf der Homepage der Universität: Uni geschlossen, keine Kurse oder Prüfungen, alle sollen daheim bleiben. Ich habe mich also umgedreht und weitergeschlafen und mein Bett nur stündlich einmal verlassen, um neuen Tee zu kochen und den alten zu entsorgen.
Tagelang Schnee: mal bei Sonne, mal bei Schneesturm.
Als dann am Donnerstag die Uni immernoch geschlossen war und ich Meetings verschieben musste habe ich doch angefangen, mich ein bisschen zu wundern was hier so los ist. Vor meinem Fenster war strahlender Sonnenschein und wunderbare Stille: kein Verkehr vor der Tür, wie ungewöhnlich. Aber nach einem Tag daheim wurden die Menschen langsam unruhig, und überall waren Menschen mit Plastikschlitten unterwegs. Auf dem George Square bauten Leute Iglus, auf Facebook kursierten Videos von Studenten, die mitten in der Stadt Schlitten und Snowboard fuhren, und auch mein Rugby Team verabredete sich zum Schlittenfahren. Ich war total genervt, ausgerechnet heute noch nicht fit zu sein. Aber: am Freitag (also am nächsten Tag) sollte mich ja Larissa besuchen, also lieber nochmal ausruhen.
Iglu auf dem George Square, mitten in der Stadt.
Am Freitag Morgen war die Uni nicht mehr komplett abgeriegelt, wer wollte durfte kommen, Bibliotheken hatten aber Eingeschränkte Öffnungszeiten, es fanden keine Veranstaltungen statt und wenn möglich sollten wir doch trotzdem noch daheim bleiben. Ich mich also lieber darauf vorbereitet, Larissa in Empfang zu nehmen und gemeinsam durch die Stadt zu spazieren. Als sie mir schrieb sie sei am Flughafen und jemand habe ihr gesagt, sie solle den Bus zum Flughafen nehmen war ich erstmal ziemlich verwirrt, dachte mir aber noch nichts dabei. Erst etwa eine halbe Stunde später wurde mir anhand ihrer vielen Fragen klar, dass sie nie in Glasgow ankam: Der Flughafen war wohl gesperrt und der Flug wurde umgeleitet nach Prestwick, was sie aber nicht mitbekommen hatte. Statt von dort aber einen Zug zu nehmen hatte ein Flughafenmitarbeiter sie in einen Bus zum Glasgow Airport gesetzt, zu dem sie jetzt schon eine ganze Stunde unterwegs war. Da der aber ja gesperrt war, war das keine große Hilfe. Ein Freund von Lynne, der gerade bei uns zu Besuch war, hat sich schließlich angeboten, mit seinem Allrad Jeep mit mir zum Flughafen zu fahren und die arme Larissa abzuholen. Das Chaos war endlich behoben und das abtenteuerliche Wochenende konnte beginnen - dachten wir, hahaha.
Nachdem sie ihre Sachen abgestellt hatte sind wir also erst mal in Richtung Uni und ins Westend, von wo wir, nach einem guten Mittagessen, dann in Richtung Stadt sind. Immernoch herrschte scheinbar Ausnahmezustand: Laufen war durch den Schnee unglaublich anstrengend, und im Park trafen wir dann auch live auf Schlittenfahrer, bzw. Tüten-, Kisten-, Türen- und Straßenschildfahrer, sowie den ein oder anderen Snowboarder. Ziemlich lustig.
Chaos auf Glasgows Straßen:
Spaß auf Glasgows Hängen:
"Schlittenfahrer" mit Obstkisten, Müllbeuteln, Pappkarton, Mülleimerdeckeln und Schranktüren.
Ein "Kinderplastiksitz auf Holz verschraubt" Schlitten... wer kennt es nicht, haha.
Weniger lustig war, dass wir für unseren geplanten Ausflug am Wochenende
ein Auto gebucht hatten. Aber dar zumindest die Hauptstraßen langsam
frei waren haben wir es drau angelegt und nach unserer Tour durch die
Stadt den Mietwagen abgeholt. Ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, um
Verpflegung für die Tour zu kaufen, offenbarte dann das Chaos der
letzten Tage: wir haben noch nie einen so leergekauften Supermarkt
gesehen. Statt Brötchen mussten wir ein Brot mit Johannisbeeren nehmen,
Pizza war aus mehr oder weniger aus, ebenso vieles andere. Für uns hat
es aber gereicht, und wir sind dann zum Entspannen und Ausruhen wieder
heim gedüst. Beim Versuch in unsere Straße einzubiegen haben wir uns
zwar erst mal im Matsch festgefahren, aber so schnell sollte man sich
nicht entmutigen lassen. Und außerdem sind die Schotten so lieb und
hilfsbereit, schon bevor wir selbst überlegt hatten auszusteigen und mit
schieben im 2. Gang anzufahren waren 4 Menschen am Auto und wollten
helfen. Also no worries, alles gut. =) Der Samstag kann also kommen!
Unser Mietwagen im Schneematsch am Freitagabend: Den Schneeberg neben dem Auto mussten wir erst mal mit den Füßen platttrampeln, damit wir parken konnten, haha.
Nach dem Frühstück am Samstag gings also los, und nachdem wir die Stadt und die Great Western Road (auf der Menschen zwischenzeitich in 3. Reihe auf den Fahrspuren parkten, weil sie durch den Schnee nicht bis zu den Parkplätzen durch kamen) endlcih hinter uns hatten wurde plötzlich alles unglaublich viel einfacher: Die Straßen waren frei, und wir genossen unsere Fahrt entlang Loch Lomond. Auch die Passtraße in Richtung Glen Coe, die uns am meisten Sorgen gemacht hatte, konnte man problemlos fahren. In der Hochebene haben wir dann spontan beschlossen, das beste aus der Wettersituation zu machen und uns bei den sehr angenehmen -2 Grad mal in den Sessellift zum Skigebiet im Glencoe Mountain Resort zu setzen. Obwohl wir dann auch noch mind. für 15 Minuten angehalten haben und in der Kälte baumelten und folglich oben angekommen eigentlich nur direkt wieder runter fahren wollten, hat sich das aber mehr als gelohnt. Wir hatten nämlich unsere "Schlitten" dabei und haben uns ein bisschen auf der Rodelbahn aufgewärmt. =)
Hier oben im Glen Coe waren die Straßen aber dann frei.... komisch.
Unsere gute Idee mit dem Sessellift...
... zumindestens konnten wir von da, wo wir stecken geblieben waren, die Talabfahrt beobachten.
Nachdem wir also total durchgefroren oben ankamen, mussten wir uns natürlich mal bewegen, um uns wieder aufzuwärmen.
Obwohl wir nach der Rodel-Action durchgefrohren waren und nasse Füße hatten, mussten wir doch immer wieder anhalten, aus dem Auto springen und die Landschaft bewundern. Keine Zeit für Jacken an, Jacken aus bei jedem Stopp, haha. Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.....
Wo Schnee auf den Bergen, da Bergziegen in den Tälern! Entlang eines großen Teils der Strecke haben wir immer wieder viele Bergziegen gesehen, die am Straßenrand nach nicht eingeschneitem Grünfutter gesucht haben. Die Babys waren sooooo süß, in hellbraun-grauem Kuschelfell.
Noch ein paar Schneebilder, die wir während der Fahrtaufgenommen haben. Erklärt, warum die armen kleinen Ziegen im Tal an der Straße grasen.
Ein Wasserfall den ich Larissa zeigen wollte... leider war er komplett eingefrohen und daher alles andere als eindrucksvoll. Ich hatte ihn mal nach einem Regentag gesehen, das macht natürlich nen großen Unterschied.
Nach dieser tollen Fahrt und einigen ziemlich kalten Stopps war also irgendwann der Samstag zu Ende. Abends übernachteten wir im Hostel in Fort William und machten Pläne für den nächsten Tag.
Am Sonntag, wir wollte eigentlich nahe Fort William wandern und dann mittags wieder in Richtung Glasgow aufbrechen. Spontan haben wir uns dann aber doch entschlossen, nochmal 2 Stunden weiter nach Norden zu fahren auf die Isle of Skye. Obwohl wir so viel weiter im Norden sind, sieht man hier garnichts vom Schneechaos der vergangenen Tage. Das wundersame Seeklima machts möglich und lässt den Hafen von Portree fast mediterran aussehen.
Auf dieser Rundfahrt haben wir dann "mal eben" beschlossen, zum Old Man of Storr zu wandern. Der war
jedoch weiter weg als gedacht, und in unseren 500 Kleiderschichten
eingepackt wurde es ziemlich warm. Es hat sind aber definitiv gelohnt,
man hatte von dort einen tollen Ausblick über die Bucht. Leider war bei
der Kälte der Akku meines Handys so schnell leer, dass es genau nicht
mehr reichte, von oben noch in die Bucht zu fotografieren.
Also nochmal zur Erinnerung: Der Old Man of Storr sit die Felsnadel die hier neben den großen Klippen zu sehen ist. Von hier sieht es garnicht so hoch aus... man kann mit dem Auto ja beinahe ran fahren....
Nach fast 1,5 Stunden kontinuierlichem und steilem bergauf gehen haben wir es dann endich relativ nah ran geschafft...
Da ich ja schon immer der Kletterhansel war konnte mich dann meine ganze Erschöpfung vom hochlaufen nicht davon abhalten, schnellstmöglich noch näher ran rennen, um euch mal ein Größenverhältnis zu geben:
Danach war dann meine Batterie und auch die des Fotos leider leer, sonst hätte ich noch mehr Bilder gemacht. Es hat sich aber gelohnt. Weiter ging also unsere Rundfahrt. Unten waren wir wesentlich schneller, 30 Minuten. Handy im Auto ans Ladegerät und weiter gings.
Am Kilt Rock, dem Wasserfall über die Steilklippe sahen wir den einzigen Beweis für die eisigen Temperaturen: die Gischt, die vom Wind in Richtung Insel geweht wurde, war hier zu solchen dicken Schichten gefroren, dass der dünne Zaun aus Draht zur massiven Eiswand gefroren ist:
Blick nach Uig, wo wir auf der Suche nach dem Fairy Glen, dem Tal der Feen, ein paar Mal auf der gleichen Straße hin und her fahren mussten:
Endlich im Fairy Glen: winzige Straße, große Schlaglöcher, viele Schafe und tatsächlich ein bisschen verwunschen mit seinen bemoosten Ruinen alter Häuser und Gehöfte und fechtenbehangenen Büschen und Bäumen.
Der Steinkreis im Fairy Glen, versteckt hinter einem Hügel. Warum man den wohl da hingelegt hat? Vermutlich um Touristen anzulocken, oder damit es noch geheimnisvoller wirkt.
Nach unserer kleinen Inselrundfahrt haben wir uns dann um 5 wieder auf in Richtung Glasgow gemacht und hatten mit unserer Ankunft um 10 Uhr gerechnet.
Leider war das nicht ganz der Fall. Es find immer mal wieder an zu schneien, und als es um 6 dann auch dunkel war mussten wir langsamer fahren, da üebrall am Staßenrand Hirsche standen. Tolle Tiere, wie haben sie bewundert wie sie dort so entspannt, würdevoll und riesengroß aus den Ginsterbüschen gucken. Nach einigen Stunden dann tatsächlich mal einer kurz vor uns über die Straße gerannt, und danach waren wir dann noch ein bisschen langsamer. Mittlerweile war unsere Ankunft schon auf 11 Uhr angesetzt. Nach einem Tank- und Toilettenstopp 11:30. Nur eine Stunde vor Glasgow dann gab es eine Straßensperrung, und wie man in den National Parkt so vermuten kann waren wir nicht mit vielen alternativen Routen gesegnet. Als wir die Umleitung über eine viel kleinere und schlechtere Straße einschlugen sprang unsere Ankunftszeit sofort auf 0.15, und nach einer weiteren Sperrung dann auf 0.30 Uhr. Wir waren mittlerweile nicht mehr zurechnungsfähig galube ich. Zwischen schimpfen und jammern mussten wir immer wieder lachen oder starrten panisch in die Büsche am Straßenrand, aber wir haben es tatsächich um 0.30 geschafft, um 1 lagen wir dann endlcih im Bett. Montag morgen um 6 fuhr ich Larissa dann noch zum Flughafen, und das war unser wunderbarer, aber auch sehr chaotischer Ausflug! =)
Auch wenn man meinen sollte, ein solcher Ausflug sollte mir gesundheitlich den Rest geben ging es mir dann am Montag, auch wenn ich auf der Arbeit todmüde war, erstaunlich gut. Am Dienstag war ich dann schon wieder im Roller Derby, und am Mittwoch auf Dienstreise nach Aberdeen zum Theaterstück der German Drama Group, wobei ich mich eigentlich sehr gesund fühle.
Im Zug nach Aberdeen:
Da ich ein bisschen zu früh dran war und mir noch 2 Stunden um die Ohren schlagen musste, hab ich also noch ein bisschen was in Aberdeen unternommen. Zuerst war ich im Katzen Café. Coole Idee, aber ne eigene ist doch nicht zu vergleichen, haha. Und: seine eigene muss man nicht teilen.
Außerdem war ich noch in Aberdeen am Strand. Zwar fand ich beim Video machen, dass hier viel Müll rum lag, kurz darauf habe ich aber mit einem älteren Ehepaar gesprochen und sie meinten es sei am Tag vorher ein starker Sturm gewesen, der den ganzen Müll angespült hat. Scheinbar ist es normalerweise also sauberer.
Heute, am Donnerstag, war ich dann nochmal kurz im Hellen in Old Aberdeen und auf dem Campus, da ich manche Ecken bei Dunkelheit nach dem Theaterstück nicht so gut betrachten konnte. Eigentlich eine sehr schöne Ecke:
Die Fähre auf die Orkney und Shetland Inseln.... da wäre ich gerne mitgefahren, das glaubt man mir garnicht. Eines Tages werde ich die auch nochmal besuchen, das will ich schon seit dem ersten Semester unbedingt machen!
Nach dem Besuch am Hafen und im Maritim-Museum, das kostenfrei und übrigens sehr schön ist, ging es dann aber wieder nach Hause.
Kann es kaum erwarten, war wir an diesem Wochenende so alles machen =)
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