Donnerstag, 8. März 2018

Von A wie Ausnahmezustand bis Z wie Zugeschneit: Eine Woche ganz nach meinem Geschmack :)

So, nachdem das Chaos im öffentlichen Bereich nun so langsam wieder abnimmt und das Leben beginnt, wieder seine gewohnten Bahnen einzuschlagen finde ich nun auch endlich die Zeit, euch von meiner letzten Woche zu berichten. Aber eins nach dem Anderen:

Wie ich beim letzten Eintrag ja geschrieben hatte war ich nicht ganz so fit nach meinem Ausflugswochenende nach Stirling, St. Andrews und Dundee. Da kam es mir quasi ziemlich gelegen, dass der leichte Schnee von Dienstag sich über Nacht in Schneemassen sondergleichen verwandeln sollte. Als ich Dienstag morgens aus dem Fenster schaute, waren unsere Blumenkübel eingeschneit und der Nachbar versuchte vergeblich, mit seinem Renault Twingo aus der Garage zu fahren: er stieß gegen eine Wand aus Schnee, und auch aussteigen und Schaufeln brachte da nichts, denn sonst hätte er die gesamte Seitenstraße bis zur Hauptstraße freischaufeln müssen um zu hoffen, dass da irgendwann ein Räumdienst kommt.

Etwas unsicher, was diese Schneemassen jetzt für mich bedeuten (ich möchte daran erinnern, dass schon 2cm im Januar totales Verkehrschaos nach sich zogen) bin ich also erst mal mit meinem Tee wieder ins Bett und habe den Laptop angeschmissen um mehr Infos zu bekommen. Dabei bin ich dann auch sogleich auf die Mitteilung des Wetterdienstes gestoßen: "Warnstufe rot. Gefahr für Leib und Leben. Bleiben Sie zu Hause und verlassen Sie nach Möglichkeit das Haus nicht!". Gleiches auf der Homepage der Universität: Uni geschlossen, keine Kurse oder Prüfungen, alle sollen daheim bleiben. Ich habe mich also umgedreht und weitergeschlafen und mein Bett nur stündlich einmal verlassen, um neuen Tee zu  kochen und den alten zu entsorgen.


 Tagelang Schnee: mal bei Sonne, mal bei Schneesturm.


Als dann am Donnerstag die Uni immernoch geschlossen war und ich Meetings verschieben musste habe ich doch angefangen, mich ein bisschen zu wundern was hier so los ist. Vor meinem Fenster war strahlender Sonnenschein und wunderbare Stille: kein Verkehr vor der Tür, wie ungewöhnlich. Aber nach einem Tag daheim wurden die Menschen langsam unruhig, und überall waren Menschen mit Plastikschlitten unterwegs. Auf dem George Square bauten Leute Iglus, auf Facebook kursierten Videos von Studenten, die mitten in der Stadt Schlitten und Snowboard fuhren, und auch mein Rugby Team verabredete sich zum Schlittenfahren. Ich war total genervt, ausgerechnet heute noch nicht fit zu sein. Aber: am Freitag (also am nächsten Tag) sollte mich ja Larissa besuchen, also lieber nochmal ausruhen.

 Iglu auf dem George Square, mitten in der Stadt.


Am Freitag Morgen war die Uni nicht mehr komplett abgeriegelt, wer wollte durfte kommen, Bibliotheken hatten aber Eingeschränkte Öffnungszeiten, es fanden keine Veranstaltungen statt und wenn möglich sollten wir doch trotzdem noch daheim bleiben. Ich mich also lieber darauf vorbereitet, Larissa in Empfang zu nehmen und gemeinsam durch die Stadt zu spazieren. Als sie mir schrieb sie sei am Flughafen und jemand habe ihr gesagt, sie solle den Bus zum Flughafen nehmen war ich erstmal ziemlich verwirrt, dachte mir aber noch nichts dabei. Erst etwa eine halbe Stunde später wurde mir anhand ihrer vielen Fragen klar, dass sie nie in Glasgow ankam: Der Flughafen war wohl gesperrt und der Flug wurde umgeleitet nach Prestwick, was sie aber nicht mitbekommen hatte. Statt von dort aber einen Zug zu nehmen hatte ein Flughafenmitarbeiter sie in einen Bus zum Glasgow Airport gesetzt, zu dem sie jetzt schon eine ganze Stunde unterwegs war. Da der aber ja gesperrt war, war das keine große Hilfe. Ein Freund von Lynne, der gerade bei uns zu Besuch war, hat sich schließlich angeboten, mit seinem Allrad Jeep mit mir zum Flughafen zu fahren und die arme Larissa abzuholen. Das Chaos war endlich behoben und das abtenteuerliche Wochenende konnte beginnen - dachten wir, hahaha.

Nachdem sie ihre Sachen abgestellt hatte sind wir also erst mal in Richtung Uni und ins Westend, von wo wir, nach einem guten Mittagessen, dann in Richtung Stadt sind. Immernoch herrschte scheinbar Ausnahmezustand: Laufen war durch den Schnee unglaublich anstrengend, und im Park trafen wir dann auch live auf Schlittenfahrer, bzw. Tüten-, Kisten-, Türen- und Straßenschildfahrer, sowie den ein oder anderen Snowboarder. Ziemlich lustig. 

Chaos auf Glasgows Straßen:

Spaß auf Glasgows Hängen:
 "Schlittenfahrer" mit Obstkisten, Müllbeuteln, Pappkarton, Mülleimerdeckeln und Schranktüren.

 Ein "Kinderplastiksitz auf Holz verschraubt" Schlitten... wer kennt es nicht, haha.


Weniger lustig war, dass wir für unseren geplanten Ausflug am Wochenende ein Auto gebucht hatten. Aber dar zumindest die Hauptstraßen langsam frei waren haben wir es drau angelegt und nach unserer Tour durch die Stadt den Mietwagen abgeholt. Ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, um Verpflegung für die Tour zu kaufen, offenbarte dann das Chaos der letzten Tage: wir haben noch nie einen so leergekauften Supermarkt gesehen. Statt Brötchen mussten wir ein Brot mit Johannisbeeren nehmen, Pizza war aus mehr oder weniger aus, ebenso vieles andere. Für uns hat es aber gereicht, und wir sind dann zum Entspannen und Ausruhen wieder heim gedüst. Beim Versuch in unsere Straße einzubiegen haben wir uns zwar erst mal im Matsch festgefahren, aber so schnell sollte man sich nicht entmutigen lassen. Und außerdem sind die Schotten so lieb und hilfsbereit, schon bevor wir selbst überlegt hatten auszusteigen und mit schieben im 2. Gang anzufahren waren 4 Menschen am Auto und wollten helfen. Also no worries, alles gut. =) Der Samstag kann also kommen!

Unser Mietwagen im Schneematsch am Freitagabend: Den Schneeberg neben dem Auto mussten wir erst mal mit den Füßen platttrampeln, damit wir parken konnten, haha.

Nach dem Frühstück am Samstag gings also los, und nachdem wir die Stadt und die Great Western Road (auf der Menschen zwischenzeitich in 3. Reihe auf den Fahrspuren parkten, weil sie durch den Schnee nicht bis zu den Parkplätzen durch kamen) endlcih hinter uns hatten wurde plötzlich alles unglaublich viel einfacher: Die Straßen waren frei, und wir genossen unsere Fahrt entlang Loch Lomond. Auch die Passtraße in Richtung Glen Coe, die uns am meisten Sorgen gemacht hatte, konnte man problemlos fahren. In der Hochebene haben wir dann spontan beschlossen, das beste aus der Wettersituation zu machen und uns bei den sehr angenehmen -2 Grad mal in den Sessellift zum Skigebiet im Glencoe Mountain Resort zu setzen. Obwohl wir dann auch noch mind. für 15 Minuten angehalten haben und in der Kälte baumelten und folglich oben angekommen eigentlich nur direkt wieder runter fahren wollten, hat sich das aber mehr als gelohnt. Wir hatten nämlich unsere "Schlitten" dabei und haben uns ein bisschen auf der Rodelbahn aufgewärmt. =)


 Hier oben im Glen Coe waren die Straßen aber dann frei.... komisch.

 Unsere gute Idee mit dem Sessellift...

... zumindestens konnten wir von da, wo wir stecken geblieben waren, die Talabfahrt beobachten.

Nachdem wir also total durchgefroren oben ankamen, mussten wir uns natürlich mal bewegen, um uns wieder aufzuwärmen.


 Obwohl wir nach der Rodel-Action durchgefrohren waren und nasse Füße hatten, mussten wir doch immer wieder anhalten, aus dem Auto springen und die Landschaft bewundern. Keine Zeit für Jacken  an, Jacken aus bei jedem Stopp, haha. Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.....


Wo Schnee auf den Bergen, da Bergziegen in den Tälern! Entlang eines großen Teils der Strecke haben wir immer wieder viele Bergziegen gesehen, die am Straßenrand nach nicht eingeschneitem Grünfutter gesucht haben. Die Babys waren sooooo süß, in hellbraun-grauem Kuschelfell.






Noch ein paar Schneebilder, die wir während der Fahrtaufgenommen haben. Erklärt, warum die armen kleinen Ziegen im Tal an der Straße grasen.




Ein Wasserfall den ich Larissa zeigen wollte... leider war er komplett eingefrohen und daher alles andere als eindrucksvoll. Ich hatte ihn mal nach einem Regentag gesehen, das macht natürlich nen großen Unterschied.




Nach dieser tollen Fahrt und einigen ziemlich kalten Stopps war also irgendwann der Samstag zu Ende. Abends übernachteten wir im Hostel in Fort William und machten Pläne für den nächsten Tag.

Am Sonntag, wir wollte eigentlich nahe Fort William wandern und dann mittags wieder in Richtung Glasgow aufbrechen. Spontan haben wir uns dann aber doch entschlossen, nochmal 2 Stunden weiter nach Norden zu fahren auf die Isle of Skye. Obwohl wir so viel weiter im Norden sind, sieht man hier garnichts vom Schneechaos der vergangenen Tage. Das wundersame Seeklima machts möglich und lässt den Hafen von Portree fast mediterran aussehen.


Auf dieser Rundfahrt haben wir dann "mal eben" beschlossen, zum Old Man of Storr zu wandern. Der war jedoch weiter weg als gedacht, und in unseren 500 Kleiderschichten eingepackt wurde es ziemlich warm. Es hat sind aber definitiv gelohnt, man hatte von dort einen tollen Ausblick über die Bucht. Leider war bei der Kälte der Akku meines Handys so schnell leer, dass es genau nicht mehr reichte, von oben noch in die Bucht zu fotografieren. 

Also nochmal zur Erinnerung: Der Old Man of Storr sit die Felsnadel die hier neben den großen Klippen zu sehen ist. Von hier sieht es garnicht so hoch aus... man kann mit dem Auto ja beinahe ran fahren....

Nach fast 1,5 Stunden kontinuierlichem und steilem bergauf gehen haben wir es dann endich relativ nah ran geschafft...

Da ich ja schon immer der Kletterhansel war konnte mich dann meine ganze Erschöpfung vom hochlaufen nicht davon abhalten, schnellstmöglich noch näher ran rennen, um euch mal ein Größenverhältnis zu geben:

Danach war dann meine Batterie und auch die des Fotos leider leer, sonst hätte ich noch mehr Bilder gemacht. Es hat sich aber gelohnt. Weiter ging also unsere Rundfahrt. Unten waren wir wesentlich schneller, 30 Minuten. Handy im Auto ans Ladegerät und weiter gings.

Am Kilt Rock, dem Wasserfall über die Steilklippe sahen wir den einzigen Beweis für die eisigen Temperaturen: die Gischt, die vom Wind in Richtung Insel geweht wurde, war hier zu solchen dicken Schichten gefroren, dass der dünne Zaun aus Draht zur massiven Eiswand gefroren ist:

Blick nach Uig, wo wir auf der Suche nach dem Fairy Glen, dem Tal der Feen, ein paar Mal auf der gleichen Straße hin und her fahren mussten:

Endlich im Fairy Glen: winzige Straße, große Schlaglöcher, viele Schafe und tatsächlich ein bisschen verwunschen mit seinen bemoosten Ruinen alter Häuser und Gehöfte und fechtenbehangenen Büschen und Bäumen.


 Der Steinkreis im Fairy Glen, versteckt hinter einem Hügel. Warum man den wohl da hingelegt hat? Vermutlich um Touristen anzulocken, oder damit es noch geheimnisvoller wirkt.

Nach unserer kleinen Inselrundfahrt haben wir uns dann um 5 wieder auf in Richtung Glasgow gemacht und hatten mit unserer Ankunft um 10 Uhr gerechnet.

Leider war das nicht ganz der Fall. Es find immer mal wieder an zu schneien, und als es um 6 dann auch dunkel war mussten wir langsamer fahren, da üebrall am Staßenrand Hirsche standen. Tolle Tiere, wie haben sie bewundert wie sie dort so entspannt, würdevoll und riesengroß aus den Ginsterbüschen gucken. Nach einigen Stunden dann tatsächlich mal einer kurz vor uns über die Straße gerannt, und danach waren wir dann noch ein bisschen langsamer. Mittlerweile war unsere Ankunft schon auf 11 Uhr angesetzt. Nach einem Tank- und Toilettenstopp 11:30. Nur eine Stunde vor Glasgow dann gab es eine Straßensperrung, und wie man in den National Parkt so vermuten kann waren wir nicht mit vielen alternativen Routen gesegnet. Als  wir die Umleitung über eine viel kleinere und schlechtere Straße einschlugen sprang unsere Ankunftszeit sofort auf 0.15, und nach einer weiteren Sperrung dann auf 0.30 Uhr. Wir waren mittlerweile nicht mehr zurechnungsfähig galube ich. Zwischen schimpfen und jammern mussten wir immer wieder lachen oder starrten panisch in die Büsche am Straßenrand, aber wir haben es tatsächich um 0.30 geschafft, um 1 lagen wir dann endlcih im Bett. Montag morgen um 6 fuhr ich Larissa dann noch zum Flughafen, und das war unser wunderbarer, aber auch sehr chaotischer Ausflug! =)

Auch wenn man meinen sollte, ein solcher Ausflug sollte mir gesundheitlich den Rest geben ging es mir dann am Montag, auch wenn ich auf der Arbeit todmüde war, erstaunlich gut. Am Dienstag war ich dann schon wieder im Roller Derby, und am Mittwoch auf Dienstreise nach Aberdeen zum Theaterstück der German Drama Group, wobei ich mich eigentlich sehr gesund fühle. 

Im Zug nach Aberdeen:

Da ich ein bisschen zu früh dran war und mir noch 2 Stunden um die Ohren schlagen musste, hab ich also noch ein bisschen was in Aberdeen unternommen. Zuerst war ich im Katzen Café. Coole Idee, aber ne eigene ist doch nicht zu vergleichen, haha. Und: seine eigene muss man nicht teilen.
 


Außerdem war ich noch in Aberdeen am Strand. Zwar fand ich beim Video machen, dass hier viel Müll rum lag, kurz darauf habe ich aber mit einem älteren Ehepaar gesprochen und sie meinten es sei am Tag vorher ein starker Sturm gewesen, der den ganzen Müll angespült hat. Scheinbar ist es normalerweise also sauberer.
 
Heute, am Donnerstag, war ich dann nochmal kurz im Hellen in Old Aberdeen und auf dem Campus, da ich manche Ecken bei Dunkelheit nach dem Theaterstück nicht so gut betrachten konnte. Eigentlich eine sehr schöne Ecke: 






Die Fähre auf die Orkney und Shetland Inseln.... da wäre ich gerne mitgefahren, das glaubt man mir garnicht. Eines Tages werde ich die auch nochmal besuchen, das will ich schon seit dem ersten Semester unbedingt machen!


Nach dem Besuch am Hafen und im Maritim-Museum, das kostenfrei und übrigens sehr schön ist, ging es dann aber wieder nach Hause.

Kann es kaum erwarten, war wir an diesem Wochenende so alles machen =)


Montag, 26. Februar 2018

Von Belagerungen und Schlachten, William und Kate, Golf, Drachen, romantischen Schafsgedichten und mystischen Zauberwesen

Nachdem ich in der letzten Woche wieder wenige Dinge unternommen habe, die ein Bild wert wären (ich war zum ersten Mal mit Maria im Roller-Derby Training: mein erstes Mal auf Rollschuhen seit mindestens 15 Jahren, wenn nicht noch mehr, wollte ich jetzt nicht unbedingt bildlich festhalten, haha), gibt es nach diesem Wochenende wieder einen Bericht mit Bildern und zahlreichen Geschichten von Ausflügen und Erlebnissen:

Unter der Woche ist ein paar mal beinahe was cooles passiert, aber in der letzten Sekunde dann leider doch nicht:

Zum einen sollte am Mittwoch Abend eine Mottoparty der Rugby Girls stattfinden, die in verschiedenen WGs und dann in der Stadt stattfinden und Geld für deren Vereinsausflug sammeln sollte. Leider war ich scheinbar noch nicht in der richtigen Facebook-gruppe, so dass ich erst am Mittwoch im Training davon erfahren habe. Motto sollte sein "Disney", und so habe ich dann schnell improvisieren wollen. Mein Plan war Prinzessin Merida. Glücklicherweise hatte ich noch eine kupferfarbene Tönung für die Haare daheim liegen und im Disney Shop gab es Meridas Pfeil und Bogen Set zu erwerben.


Also bin ich nach der Arbeit daheim sofort ins Bad gestürzt, hab die Farbe auf die Haare geschmiert, den Lockenstab auf volle Kanone aufgedreht und wärend die Farbe einzog noch schnell ne Portion Nudeln gekocht. Danach Farbe raus, Haare antrocknen und... enttäuscht und genervt feststellen, dass sich meine Haatfarbe kein Stück verändert hat. Noch war ich nicht ganz entmutigt, habe dann einfach trotzdem mit dem Lockenstab angefangen. Nach 30 min hatte ich die unterste Haarschicht fertig, nach weiteren 30 Min waren die ersten Locken, trotz Haarschaum und -spray schon wieder weg, bevor der Rest fertig war. End von der Geschicht: als Trottel mit Pfeil und Bogen und ohne jegliches andere Kostüm-ähnliche Aussehen wollte ich nicht weg, war mittlerweise eh schon zu spät dran und hatte die erste WG komplett verpasst und hab mich dann schmollend ins Bett gelegt. Musste ja am Donnerstag eh wieder arbeiten.

Am Freitag sollten dann erneut meine Hoffnungen auf einen spontanerweise interessanten und spannenden Abend geweckt werden. Spontan wurde eine Karte zum Damen-Rugby-Spiel von Schottland gegen England frei, da eins der Mädels nicht mitkommen konnte. Da das Scotstoun Stadium bei mir um die Ecke ist wollte ich es mir nicht entgehen lassen und war schon fast unterwegs, leider war die Karte versehentlich schon längst versprochen gewesen... schade.

Nun ja... Auch wenn sich meine Woche also ziemlich deprimierend anhört hatte ich am Wochenende aber noch jede Menge zu erleben, so dass das Gesamtfazit doch positiv, ist :D.

Samstag
Spontan habe ich am Freitag beschlossen, den Samstag in Stirling zu verbringen. Von Glasgow mit dem Zug nur 30-50 Min. entfernt (je nachdem welchen Zug man erwischt) und mit, wegen meiner Historic Scotland Mitgliedschaft, freiem Eintritt zum Castle konnte das doch ein guter Tag werden. Also bin ich am Samstag Morgen bei strahlendem Sonnenschein (mal wieder) losgedüst. Stirling selbst ist nicht so groß, dafür ist der alte Ortskern mit Kopfsteinpflaster und Fußgängerzonen aber wirklich nett. 





Das ist noch die Kathedrale, aber ich nähere mich dem Schloss...

Durch diesen alten Ortsteil muss man dann bergauf, bis man am Schloss ankommt. Leider heißt das, dass man das Schloss von der Stadt aus nicht sehen kann, so dass viele es weniger eindrucksvoll als das Edinburgher Schloss finden, allerdings sitzt es ebenso auf einem riesigen Felsen (zu sehen eigentlich nur von der anderen Seite der Stadt) und ist im Inneren meiner Meinung nach sehr viel ansprechender. Es gibt wesentlich mehr Informationen und Tafeln, man kann überall hin, teilweise laufen verkleidete Menschen durch die Gemäuer und sprechen mit den Besuchern, die Empfangsräume und Schlafgemächer sind restuariert und möbliert, und Originale (beispielsweise von einer aufwendigen Holzdecke) können in weiteren Räumen besichtigt werden.


Der Blick vom Parkplatz hinüber zum Wallace Monument. 


Auf dem Berg soll William Wallace 1297 mit den schottischen Truppen den Angriff auf die Engländer vorbereitet haben, die Stirling Castle (ein von gefühlten 100 Malen) besetzt hatten. Angeblich schaffte er es, die Engländer aus dem sichern Castle herauszulocken, und als diese den Fluss im Tal überqueren wollten stürzte die Brücke ein und die wenigen, die bisher auf der anderen Seite waren wurden von den Schotten niedergemacht... so weit die Geschichte eines Guides bei einer meiner Touren. Historisch war es wohl eher so, dass die Engländer auf der gegenüberliegenden Seite im Sumpf keine Chance hatten und deren Anführer dann selbst die Brücke zerztörte, um die Schotten fernzuhalten. Wie auch immer: die Schotten haben jedenfalls gewonnen und William Wallace ist Nationalheld, weswegen da jetzt ein Turm die Landschaft schmückt.
Man kann diesen Turm auch besichtigen, allerdings kostet das 10£ Eintritt, was ich für einen Turm schon relativ heftig finde. Da ist das Schloss mit 15£ Eintritt (die ich ja nicht zahlen musste) vergleichsweise ja ein richtiges Schnäppchen!

Zwischen den Befestigungsanlagen: Nach dem ersten und zweiten Tor, aber noch vor dem eigentlichen Innenhof. Das Tor das man sieht war ursprünglich mal die äußerste Mauer und Verteidigungsanlage, nach und nach wurden aber die Anlagen verstärkt und weitere Mauern hinzugefügt.

Der erste Innenhof: Links geht es zum eigentlichen Palast mit Schlafgemächern und Empfangssäalen, im Untergeschoss befinden sich Näher, Hofnarr, usw. Das helle Gebäude rechts ist die große Halle, in der bis zu 500 Personen Platz hatten und die vier große Kamine hat.

Auf der Rückseite sieht man, dass das Schloss ebenfalls auch einer Position ähnlich der von Edinburgh Castle liegt. Da Stirling aber kleiner ist befindet sich dahinter offenes Feld und der Blick in Richtung Highlands.

Das Schlafgemach der Queen. Das große Bett hatte hier nur repräsentative Funktion, hier wurden die engsten Vertrauten empfangen. Geschlafen wurde nebenan in einer kleinen Kammer.

Im vorgelagerten Emfangsraum der Queen (sowohl die Königin als auch der König hatten einen eigenen) befinded sich die Rekonstruktion der Stirling Tapestry. Die sieben Wandvorhänge wurden Anfang der 2000er Jahre rekonstruiert, die Arbeiten dauerten 13 Jahre an. In einer Sonderausstellung kann man hier die Arbeit der Weberinnen, die benutzte Wolle und einen der Webstühle sehen.

Die Wandteppiche erzählen die Geschichte der Einhornjagd, dem Wappentier Schottlands und, laut bereitgestellter Informationen Symbol für Christus, die Liebe usw.


Warum das besondere Tier aber gejagd, getötet und gefangengehalten wird ... ?


Hier vielleicht was für den Andi: ein Modell der mittelalterlichen Highlandlandschaft aus Lego:


Und auch in den alten Küchen war liebevoll rekonstruiert, wie gearbeitet wurde (nur Männer in der Küche!) und welche Lebensmittel es so gab:


Und einer der Gärten des Schlosses, wieder bei wunderbar blauem Himmel:

Sonntag
Am Sonntag war ich wieder mit einer der Student Tours Ausflüge unterwegs. Es ging nach St. Andrews und Dundee. St. Andrews ist tatsächlich ein winziges Nest, eigentlich gibt es hier nur drei Straßen, die durch wenige Seitenstraßen bzw. Gässchen miteinander verbunden sind. Alles, was man so zu sehen bekommt, hat entweder mit Golf zu tun (Golfhotels, Golfkleidung, Golfmuseum, Golfequipment, Golfplätze, Golfspieler in Tweed und Tartan,... Ja, man bildet sich einiges darauf ein, den Golfsport erfunden zu haben. Angeblich habe die Uni St. Andrews mal eine nicht unerhebliche Summe Geld an die Uni Glasgow gezahlt, um weitere Forschung nach dem Ursprung des Golfs einzustellen... so sagt zumindest unser Guide, der, natürlich, aus Glasgow kommt) oder gehört zur University. Dafür, dass St. Andrews eine der berühmtesten und namenhaftesten Unis Schottlands und GBs ist, merkt man hier vom studentischen Leben allerdings relativ wenig. Nur das reiche Angebot an veganen Wraps, Sandwiches und Snacks im Pret a Manger lässt hier neben den Golfern auch jüngeres Publikum vermuten. Mehr als einen halben Tag kann man hier vermutlich nicht mit Sightseeing verbringen, aber für einen halben Tag präsentiert sich St. Andrews als nettes, verschlafenes Städtchen. Außerdem kann man von hier wunderbar den Fife Coastal Path wandern, der die gesamte Halbinsel umschließt und mehrere Tagesetappen lang ist.

Die "Hauptstraße" im Zentrum:

 Eines der Uni-Gebäude:

An der Küste mit Blick auf das St. Andrew Castle, eine vergleichbar kleine, aber sehr schöne Ruine:

Die Cathedral mit Friedhof: Es stehen nur noch Teile der Außenmauer, sie war aber vor der Reformation die größte Kathedrale Schottlands und hat, bis heute, eines der längsten Kirchenschiffe des Vereinigten Königreichs. Während der Reformation wurde die Kirche schwer beschädigt und aufgegeben, und die Steine wurden nach und nach in anderen Gebäuden der Stadt verbaut.


Der kleine Mini-Hafen von St. Andrews hinter der Kathedrale:

Die East Sands, der Sandstrand neben dem Hafen der Stadt:

Die kleine Hafeneinfahrt für die Fischerboote:

Am äußersten Ende des Kais, in eisiger Kälte bei stürmischem Wind... brrr. Man kann es an der roten Nase vielleicht erkennen :D

Nochmal der Blick auf die Burgruine:

Hier jetzt die West Sands. Auf der anderen Seite von St. Andrews befindet sich eine kilometerlange Landzunge mit Sandstrand und Dünen. Hinter den Dünen erstreckt sich dier Old Golf Court, der alte Golfplatz.

Da der Strand kein sichtbares Ende hat, kann man hier lange lange Spaziergänge machen. Im Sommer ist hier bestimmt auch ordentlich was los, aber schon jetzt sind viele Spaziergänger mit Hunden unterwegs.

Erinnert fast an Ostsee oder Nordsee (gut, streng genommen: das ist die Nordsee, haha).


Zum Abschluss nochmal der Blick auf St. Andrews von den West Sands:

Eigentlich verrückt, dass in diesem Nest Prince William studiert und Kate kennengelernt hat. Klar, ein bisschen vornehm ist es hier schon, mit Golf und so. Aber bei so einem kleinen Örtchen weiß ja auch bestimmt jeder gleich alles. Sich da mal zurückzuziehen... mhm. Zumindest rühmt sich eines der Cafes in St. Andrews damit, das Cafe zu sein, in dem William und Kate ein Paar wurden. Woher die das so genau herleiten bleibt natürlich ihnen überlassen, vielleicht haben sie da nur zum ersten mal miteinander geredet, oder waren vielleicht schon lange ein Paar und haben nur mal nen Kaffee getrunken...

Nachmittags sind wir dann weiter nach Dundee. Von der ganzen frischen (und kalten) Luft total erschöpft musste ich da erst mal ein Pub aufsuchen, um mich ein bisschen aufzuwärmen und etwas zu essen, aber für einen kleinen Rundgang durch das Zentrum von Dundee hat die Zeit trotzdem noch gereicht. Zwar haben mir einige Leute gesagt, Dundee könnte ich ruhig von meiner Liste streichen weil es keinen Bescuh wert sei, kann man doch ganz nett 1-2 Stunden verbringen. Wenn man am Maritimmuseum sowie dem Besuch der Discovery interessiert ist (dem Forschungsschiff, mit dem Scott die Antarktis "entdeckte") kann man bestimmt auch einen ganzen Tag hier verbringen. Mit hat dafür leider die Zeit gefehlt. Daher nur ein kleiner Rundgang.

Hier sehen wir die Art Gallery und Museum mit einer Märchenschloss-Treppe, davor Schottlands hochgelobert Poet Robert Burns, zu dessen Ehren jedes Jahr in allen Pubs fleißig Haggis angeboten wird. Warum? Naja, eins seiner Meisterwerke trägt den künstlerisch wertvollen Namen "Ode to a haggis" und wird an diesem Abend dann vermutlcih tausendfach zitiert. Weitere Meisterwerke schottischer Dichtkunst lassen sich wie folgt übersetzen:

Nach dem Schlafe treib die Schafe
Dahin, wo die Heide sprießt,
Dahin, wo das Bächlein fließt,
Mein holdes Schätzchen!

Wie romantisch, von seinem Liebsten am frühen Morgen zur Arbeit angetrieben zu werden während er da sitzt und dichtet, hahaha.


Dundee scheint berühmt für Comics. Dies ist einer der berühmten schottischen Charactere.

Fußgängerzone, sieht auch nicht so unsympatisch aus.

"Where are my Dragons?" .... oder ist es eher Norbert, der norwegische Stachelbuckel?
Dundee wurde angeblich dort gegründet, wo ein Held mit Schwert einen Drachen erlegt hat, dachdem der einige junge Frauen am Brunnen tötete.

Die Art Gallery von der anderen Seite, diesmal mit Statue der Königin Viktoria.


Nach diesem kurzen Stadtrundgang ging es dann wieder zurück nach Glasgow. Statt hier direkt nach Hause zu gehen hatte eine der GETs mich noch darauf hingewiesen, dass im Botanischen Garten heute der letzte Tag der "Mythical Gardens" ist, einem Programm zum Jubileum des Gartens. Gemeinsam sind wir also um 20 Uhr noch zur Vorstellung gegangen, bei der man von mystischen Figuren durch den beleuchteten Garten geführt wurde.











Nach nochmal fast einer Stunde im Botanischen Garten hatte ich dann aber auch langsam genug von der Kälte und es ging endlcih nach Hause. Soviel von meinem ereignisreichen Wochenende. Auf gehts in die neue Woche, damit schon bald wieder Wochenende und Ausflugszeit ist! 

Von A wie Ausnahmezustand bis Z wie Zugeschneit: Eine Woche ganz nach meinem Geschmack :)

So, nachdem das Chaos im öffentlichen Bereich nun so langsam wieder abnimmt und das Leben beginnt, wieder seine gewohnten Bahnen einzuschla...